25 Stunden (Originaltitel: 25th Hour) (2002)

Drama | 135 min
Bewertung:
8.5/10
8.5

Filmkritik

Monty ist ein Idiot. Und er weiß das. “Ich war zu habgierig” sagt er an einer Stelle im Film, womit er vollkommen recht hat. Er sagt diesen Satz in einer von 25 Stunden, die ihm noch bleiben – dann muss er ins Gefängnis. Monty ist ein Drogendealer in New York, den die Cops erwischt haben. Er hat 25 Stunden, darum auch der Titel 25th Hour, um sich von seiner Freundin zu verabschieden, von seinem Vater und von seinen 2 besten Freunden – außerdem muss er jemanden finden, der in den drohenden sieben Jahren Gefängnis auf seinen Hund aufpasst. Und so kümmert sich Monty in einer Nacht und um alles. Und diese Nacht soll nicht nur ihn verändern, auch seine Freunde und Familie werden am nächsten Morgen anders sein…

25th Hour von Spike Lee hat keine eindeutige Message, er zeigt einfach ein “Was wäre wenn”. Und durch den glaubwürdigen Realismus des Films ist man schon ein wenig überwältigt. Da lädt der eine beste Freund von Monty, ein Energy – Drink saufender irischer Broker namens Francis Xavier Slaughtery den anderen besten Freund, einen schüchternen Privatschule – Lehrer namens Jacob Elinsky ein, um ihm sein neues, günstiges Appartement zu zeigen – direkt neben dem World Trade Center Ground Zero. Der Film ist sowieso eine Ode an New York: Während der Credits schon sieht man das Ground Zero bei Nacht, mit den gigantischen Scheinwerfern, die gen Himmel strahlen. Aber eine der schönsten Szenen des Filmes findet in einer Toilette statt – Monty, langsam dabei zu realisieren, dass er wirklich für 7 Jahre in den Knast muss, verflucht New York und dessen Anwohner, allerdings sehr detailliert, fast 2 Minuten lang, die verschiedenen Rassen, die blöden Taxifahrer, was weiss ich. Und am Ende sich selbst. Dabei weiß man ganz genau: Diese Sachen machen New York aus! Genau wegen diesen Leuten und Details sollte man diese Stadt lieben.

Ja, das mit denen kurzen Zwischenszenen hat Spike Lee verdammt gut drauf. Am Ende von 25th Hour gibt es noch eine, wundervoll inszeniert. Da erzählt der Vater von Monty ihm, während er ihn ins Gefängnis fährt, von einer alternativen Zukunft… Wundervoll. Aber dieser Dialog tut auch ein wenig weh: Der Vater von Monty hat eine Bar, die nicht besonders gut läuft – und wer hat all die Jahre die Miete für diese bezahlt? Monty. Der Vater wusste, womit der Sohn das Geld verdient, doch er guckte weg, und nahm es an. Ebenso wie Monty´s Freundin, die zusammen mit ihm in einem netten, aber für normalverdienende unbezahlbaren Appartement lebt. Alle sind auf Monty angewiesen, wissen auch, dass er sein dreckiges Geld mit Kokain verdient, aber hindern ihn auch nicht daran, weil sie dann ihren Lebensstil herunterschrauben müssten…

Und die grosse Aussage hinter einem solchen drastischen Film? Die muss jeder für sich selber finden… Spike Lee will, dass der Zuschauer während des Filmes nachdenkt und auch noch lange danach. 25 Stunden ist ein Film, den man nicht mehr vergisst, er weisst einen auch auf Fehler im eigenen Leben hin. Und das auf eine ganz tolle Art und Weise!

Also, ab ins nächste nahe gelegene Programmkino und dieses Meisterwerk ansehen!

Jakob Montrasio

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