Auslöschung (Originaltitel: Annihilation) (2018)

Abenteuer, Drama, Fantasy, Horror, Mystery, Sci-Fi, Thriller | 115 min
Bewertung:
9.5/10
9.5

Filmkritik

Science Fiction ist für mich nach wie vor eines der spannendsten Genres des Kinos, wenn nicht sogar das Spannendste. Ich nehme jeden SciFi Film mit, der erscheint, und fange zumindest so gut wie jede SciFi Serie an, um zu sehen, ob sie mich in fremde Welten entführt. Manchmal klappt das und man wird mehr als nur belohnt: Von Serien wie Firefly, die voll magischer Figuren und Momente sind, über Filme wie Interstellar, die Emotionen in mir herauskitzeln, die ich vorher nicht kannte. Kein anderes Genre kann auch so viel Spaß machen wie SciFi, man denke nur an Filme wie Alien, zugleich einer der besten Horrorfilme aller Zeiten, oder den kürzlich gelaufenen The Martian, der auch als Komödie durchgehen könnte. SciFi ist ein fantastischer Sandkasten und lässt sich toll mit anderen Genres verschmelzen, Sunshine oder Solaris sollte man auch noch als Beispiele nennen. Auch Auslöschung zähle ich in Zukunft mit dazu.

Mal kurz das Rad neu erfinden

Und dann kommt ein Film wie Auslöschung daher, der im Original Annihilation heißt und so deutlich besser klingt, und es tatsächlich schafft, eine komplett neue Story zu erschaffen. Obwohl es erstmal gar nicht so frisch und neu klingt, wenn man es anreißt: 5 Frauen, zum Teil Wissenschaftler und zum Teil Militär, betreten eine Zone in den Südstaaten Amerikas, die von einer seltsamen Blase umgeben ist – “The Shimmer” in “Area X”. Alle bisher entsandten Teams kamen nicht zurück – bis auf einen einzigen Mann, schwer erkrankt. Dieses Team soll nun bis zum Ursprung der Blase vordringen und herausfinden, was es mit der Anomalie auf sich hat. Da bisher nur Männer entsandt wurden, rechnet man sich wohl größere Chance bei Frauen aus.

Neue Welten erkunden in einem SciFi Film sind, wie gesagt, jetzt nicht unbedingt neue Ideen. Aber was dann innerhalb der Blase passiert, schon. Und das will ich hier auf keinen Fall erzählen, denn es würde den Spaß daran rauben, zusammen mit den unwissenden Figuren auf die Reise zu gehen. Lieber möchte ich hier den Regisseur Alex Garland loben. Sein Drehbuch ist mutig und der dritte Akt des Filmes hat mir eine Gänsehaut beschert, wie ich sie schon lange nicht mehr hatte. Da fällt einem die Kinnlade runter. Der Film ist kein Actionfilm, aber wer Garlands fantastischen Ex Machina gesehen hat, dürfte das sowieso wissen. Auslöschung ist ein Thriller, der den Zuschauer zum Nachdenken anregt, der ihn mit ungemütlichen Situationen konfrontiert, um es sanft auszudrücken, die man so in der Welt des Kinos noch nie erlebt hat. Da kommt ein Monster drin vor, wobei es kein Monster im Sinne von einem Alien ist, ein plausibles Monster, dessen Existenz gar glaubwürdig erklärt wird – selten hat mich eine solche Kreatur so beängstigt, weil sie so durchdacht und plausibel ist. Eine wahrlich geniale Erfindung.

Die Auslöschung allen Makels

Und dann der dritte Akt – “The Lighthouse”. Ich saß auf der Kante meines Sofas und war wie erstarrt. Was er da für ein Finale erschaffen hat, das wird man nicht so schnell vergessen. In dem Showdown besonders zahlt es sich aus, Schauspielerinnen mit einem Kaliber wie Natalie Portman gecastet zu haben. Es ist eine der tiefgründigsten und subtilsten Szenen zugleich. Man muss es einfach gesehen haben. Aber auch der weitere Cast will genannt werden. Jennifer Jason Leigh spielt als Anführerin mit einer Ernsthaftigkeit und Wucht, Tessa Thompson spielt eine sanfte, feinfühlige Ärztin, Gina Rodriguez die Soldatin, die alles verstehen möchte und mit den wissenschaftlichen Erklärungen nicht zurecht kommt und Tuva Novotny, die gute Seele des Teams.

Fazit

Regie, Schauspieler, Drehbuch, Kamera, Effekte – alles von Feinsten.

Bevor ich vor lauter schwärmen die Erwartungen zu hoch drehe, einen kleinen Dämpfer gibt es dennoch. Teilweise sind die Szenen etwas langatmig und der Soundtrack etwas zu Indie für meinen Geschmack gewesen. Die Filmemacher waren ganz klar von dem Videospiel The Last Of Us inspiriert, welches Thematisch eine ähnliche Story hat und ziemlich genau den gleichen Mood wie der Film hat. Das ist nicht richtig negativ gemeint, denn The Last Of Us ist eins der besten Videospiele aller Zeiten. Aber dort gab es deutlich mehr Action, so dass die akustische Gitarre dort eine beruhigende Wirkung auf die strapazierten Nerven entfalten konnte, während sie bei Auslöschung eher müde und leicht deplatziert wirkt. Mehr von dem wirkliche krassen Score des dritten Aktes hätte ich mir auch in der Mitte des Filmes gewünscht. Aber das ist jetzt Jammern auf hohem Niveau.

Dass man in Deutschland nicht die Chance hat, den Film im Kino zu sehen, ist schade. Er hat völlig irre visuelle Effekte und lebt von den Sets, in denen er spielt. Die beängstigende Landschaft mit den Sümpfen, fast wie ein Dschungel wirkend, entfaltet auf keinen Fernsehern nicht viel Wirkung. Ich habe mir den Film zum Glück über einen Projektor ansehen können und kann nur empfehlen, ihn sich so groß wie möglich anzusehen.

Es ist leider zu einer Seltenheit geworden, in der heutigen Flut an Angebot wahre Perlen zu finden. Auslöschung ist so eine. Unbedingt angucken.

Auslöschung ist ab sofort auf Netflix verfügbar.

Jakob Montrasio

Zusammenfassung der Rezension
Datum der Rezension
Name des Filmes
Auslöschung
Gerundete Bewertung
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Abenteuer, Drama, Fantasy, Horror, Mystery, Sci-Fi, Thriller

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