El Topo (1970)

Drama, Western | 125 min
Bewertung:
8/10
8

Filmkritik

Nachdem ich beim Festival de Cannes den Dokumentarfilm MIDNIGHT MOVIES sehen konnte, in dem es um die Filme EL TOPO, ERASERHEAD, NIGHT OF THE LIVING DEAD, THE ROCKY HORROR PICTURE SHOW, THE HARDER THEY COME und PINK FLAMINGOS ging, habe ich als erstes Jodorowskis EL TOPO aus dem Jahre 1970 aufgetrieben, um den Kult hinter diesem Film zu entschlüsseln.

In EL TOPO geht es um einen mystischen Desperado, der mystische Abenteuer erlebt, auf mystische Figuren trifft und einen mystischen Wandel durchlebt. Nicht ohne Grund benutzte ich das Wort mystisch so oft, denn es ist das einzig richtige für diesen Film. Wer die Comics von Jodorowski kennt, wie zum Beispiel DER SCHWARZE INKAL, kann sich in etwa vorstellen, wie der Film aussieht. Jodorowskis Mystik trifft auf Clint Eastwood, könnte man sagen.

Dieser Cowboy, am Anfang vom Film noch von einem siebenjährigen nackten Jungen (sein Sohn?) begleitet und später von einer mysteriösen Frau, reitet durch eine seltsame Wüste, spürt dort vier Meister auf und bringt sie alle um. Er ist auf der Suche nach sich selbst. Später stirbt er, ersteht jedoch wieder auf, dank einer seltsamen Wiedergeburt. Und beginnt sein Leben komplett neu – doch die Aktionen seines alten Lebens werden ihn einholen, bevor er seine neue Mission beenden kann… Noch schwieriger als manche Szenen zu verstehen ist es, den eigentlichen Sinn hinter dem Film zu erkennen – ist da überhaupt einer? Wollte Jodorowski die Geschichte der Bibel auf einen Western übertragen? Wollte er Kritik an der damaligen Zeit ausüben? Hat Jodorowski extrem viel LSD in dieser Zeit zu sich genommen?

Ich glaube fast, diese Fragen kann man alle mit ‘Ja’ beantworten. Jodorowski baut baut zudem so viele Seitenschläge auf Religionen, den Staat, die Gesellschaft, den Tod und Sex ein, dass man irgendwann aufgibt, irgendetwas verstehen zu wollen. Irgendwann lässt man einfach nur noch die teilweise auch arg gewalttätigen Szenen auf sich einwirken. Da werden Bösewichte kastriert, Behinderte hingerichtet, Kinder erschossen, dann gibt es Szenen mit Lesben, mit heftigen Dialogen, einfach alles. Und alles extrem. Aber fesselnd ist der Film dennoch, und dies obwohl er völlig ohne Spannungsbogen auskommt und fast schon eine wahnsinnige Erzählstruktur hat.

Vielleicht ist die Aussage schlicht und einfach ‘Was du heute tust, wirst du auch morgen noch gemacht haben – denk daher vor jeder Tat nach, es gibt danach kein zurück mehr’. Erinnert jetzt ein wenig an IRREVERSIBLE, aber so habe ich es eben verstanden…

Die vielen Darsteller (Jodorowski selber in der Hauptrolle) sind sehr ungewöhnlich, wenn man einen Standard Hollywood-Film als vergleich nimmt – hier gibt es keine heldenhaften Schönheiten, sondern nur skurrile, verrückte und teilweise extrem hässliche Figuren, die einfach nur (über-)leben wollen, in dieser fast schon apokalyptischen Welt Jodorowskis. Und es gibt eine Szene im Film, wo die einzig schönen Menschen, die im Film vorkommen, auf der Strasse liegend mit Kopfschüssen vom übergewichtigen Sheriff hingerichtet werden – und diese bestimmt nicht ohne Grund.

Der Soundtrack verdient auch noch eine Erwähnung: teilweise extrem cool, und an anderen Stellen extrem nervig und unangenehm unterstützt er konsequent den Helden, den Desperado und Erlöser. Aber passend ist er immer.

Wird Zeit, zum Fazit zu kommen. Der Film ist zur heutigen Zeit für genau drei Gruppen interessant: Leute, die zu dieser Zeit gelebt haben und mit der Hippie-Generation zu tun hatten bzw. selber welche waren; Leute, denen auch die Comics von Jodorowski gefallen und Leute, die sich als Cineasten bezeichnen und auf wirklich abgefahrene Filme stehen. Wer Filme von Takashi Miike mag, wird auch EL TOPO mögen.

Jakob Montrasio

Zusammenfassung der Rezension
Datum der Rezension
Name des Filmes
El Topo
Gerundete Bewertung
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