Lady Vengeance (OT: 친절한 금자씨 / Sympathy for Lady Vengeance) (2005)

Crime, Drama, Thriller | 115 min
Bewertung:
8/10
8

Filmkritik

Lady Vengeance, Chan-wook Parks letzter Teil seiner „Rache“-Trilogie, darf natürlich nicht im Heft fehlen, weil wir immer stets zu Diensten waren seine Werke zu durchleuchten und durch das Fehlen eine Lücke in unserem Review-Repertoire aufgetreten wäre.

Mit Sympathy for Lady Vengeance schliesst Park Chan Wook nun seine Rache-Trilogie ab, die mit Sympathy for Mister Vengeance stark begonnen und mit Oldboy ihren Höhepunkt hatte. Um die Spannung zu nehmen: Lady Vengeance kommt nicht an Oldboy heran. Vielleicht an Mister Vengeance, aber niemals an Oldboy. Dazu fehlt dem Film schlicht und einfach der Pep.

Dass Lady Vengeance gut ist, ist keine Frage: Die Story ist wieder einmal unglaublich konstruiert, man muss viel mitdenken und stets aufpassen, aber am Ende fehlt etwas. Erinnert man sich an Oldboy, an das Ende, wo unser geliebter Held das Buch mit den Fotos öffnet, und man plötzlich kapiert, wer seine Frau ist – das war ein Moment, ein Schlag ins Gesicht, vielleicht die überraschendste Wendung der letzten Jahrzehnte Filmgeschichte. Und genau das fehlt der Lady.

Nachdem man die erste Dreiviertelstunde wie bei Parks Filmen üblich rein gar nichts versteht und ununterbrochen mit neuen Figuren und Rückblenden bombardiert wird, geht dann die eigentliche Story los – und zu schnell versteht man, worum es geht, was der Hintergrund ist. Langweilig zu sagen wäre unverschämt, da Parks Filme stets auf einem so hohen Niveau sind, dass sie das gar nicht sein können, aber im Vergleich zu Oldboy schien ihm diesmal eine normale, überschaubare Story zu reichen.

Es geht, klar, um die Lady Vengeance, die für 13 Jahre ins Gefängnis musste, da sie mit 19 Jahren einen fünfjährigen Jungen durch ersticken mit einem Kopfkissen umgebracht hat. Kaum entlassen, beginnt ihr Rachefeldzug, nach und nach erfüllt sie Punkt für Punkt ihren Plan, und man begreift relativ schnell, dass sie nicht das Kind umgebracht haben kann – sondern jemand anders, und dieser bekommt nun sein Urteil…

Kommen wir nun zum Positiven des Films. Die Bilder der Lady sind der Wahnsinn, auch wenn die bescheuerten Handkameraaufnahmen langsam wirklich auf die Nerven gehen (Sogar die Koreaner sind von diesem Dogma-Scheiß infiziert! Oh mein Gott!), es gibt non-stop wunderschöne Aufnahmen von Korea und den Charakteren. Auch die Musik ist harmonisch, aber nicht so intensiv wie bei Oldboy. Passt aber zu dem wesentlichen ruhigeren Stil des Films. Richtig relaxed wird diesmal erzählt, es gibt keine fünf-minütigen Kampfszenen ohne Schnitt oder solche Spielereien, diesmal geht es nur um Emotionen. Ähnlich wie bei Mister Vengeance. Auf sichtbare Gewalt wird hauptsächlich verzichtet.

Bei Lady Vengeance gibt es eine Szene, in der mehrere Personen auf einer Bank sitzen, so wie beim Arzt, im Wartezimmer, und auf ihren… Akt warten. Ich kann nicht zu viel verraten. Auf jeden Fall ist diese Einstellung, wie sie dort sitzen und warten, unglaublich lustig. Gleichzeitig denkt man aber an das, was man kurz vorher gesehen hat und was man gleich sehen wird, und es dreht sich einem der Magen um. Man hat das Gefühl, gleichzeitig lachen und sich übergeben zu müssen! Unglaublich. So etwas kann nur Chan-wook Park!

Zu lachen gibt es sowieso ziemlich viel, Park hat eine Menge derber Jokes und absurder Situationen eingebaut, dazu kommen eine Menge Cameos von den Figuren der beiden vorherigen Teile, und unser Oldboy selbst hat eine richtig große Rolle in dem Film bekommen. Die Australier beim koreanischen Bäcker sind ebenso unvergesslich. Auch die Koreaner können mit den Augen zwinken!

Letztendlich muss man Lady Vengeance absolut empfehlen, wer die beiden vorherigen Teile schon mochte, wird von diesem auch nicht enttäuscht werden. Aber erwartet keinen weiteren Oldboy, so wie ich! Schraubt die Erwartungen ein gutes Stück runter! Dann wird euch dieser Engel sicherlich beglücken…

Jakob Montrasio

Zusammenfassung der Rezension
Datum der Rezension
Name des Filmes
Lady Vengeance
Gerundete Bewertung
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