Narco – Die wunderbare Welt des Gustave Klopp (Int. Narco: The Secret Adventures of Gustave Klopp) (2004)

Comedy | 105 min
Bewertung:
9/10
9

Filmkritik

Bevor wir zu Narco – Die wunderbare Welt des Gustave Klopp kommen, erst etwas zur Narkolepsie: Sie ist als Dyssomnie eine neurologische Erkrankung des Schlaf-Wach-Rhythmus, die sich bevorzugt durch imperativen Schlafdrang äußert. In der Abgrenzung zur Hypersomnie handelt es sich um eine systematische Störung, die nicht nur durch ein allgemein erhöhtes Schlafbedürfnis, sondern vor allem durch eine tiefgreifende Störung der Rhythmik aufweist.

Warum ich Narkolepsie so genau beschreiben kann? Weil eines meiner Geschwister diese Krankheit hat. Hehe, ich hab den Text aber bei Wikipedia geklaut. Wie auch immer, glaubt mir, diese Krankheit ist keineswegs so lustig wie in diesem Film. Natürlich lässt es sich wunderbar als Running Gag benutzten, wenn Hauptfigur Gus immer wieder urplötzlich in einen Kurzschlaf fällt – das hat auch schon mit einem Charakter im ungarischen U-Bahn Film KONTROLL wunderbar funktioniert. Gus fällt mit seinem Gesicht in die Suppe, fällt in der Disco beim tanzen um, und, und, und…

It’s a hard narco life for us

Doch zum Glück hat Narco – Die wunderbare Welt des Gustave Klopp Gehirn, und benutzt diesen Running Gag nur anfangs ausgiebig. Es entwickelt sich nach den ersten zehn Minuten eine wunderbare Story, so fantasievoll und sympathisch, wie man sie lange nicht mehr gesehen hat.

In der genialen Sequenz, die Gus Kindheit im Schnelldurchlauf zeigt, sieht man, wie er sich nach und nach mit der Krankheit arrangiert. Mit der Narkolepsie ein normales Leben zu führen, erweist sich teils als möglich – Gus findet eine Frau und gründet eine Familie – aber teils auch als schwierig – denn es ist schwer, eine Arbeit zu finden, bei der es nicht schlimm ist, wenn man mal kurz einschläft. Nach vielen Kündigungen verliert Gus schließlich den Mut…

In einer Selbsthilfegruppe sucht er nach einer Lösung. Dass die Lösung bei ihm zu Hause im Keller liegt, weiß er nicht – er zeichnet Comics, und zwar die Träume als Comic, die er hat, wenn er in den Schlaf fällt – was oft passiert. Doch weder seine Frau noch sein bester Freund Larry unterstützen ihn beim zeichnen, da sie damit nichts anfangen können. Doch der Selbsthilfegruppenleiter zeigt Interesse, und nachdem er die Comics gesehen hat, weiß er, was für Meisterwerke Gus geschaffen hat.

Leider ist der Leiter kein guter Mensch, und setzt zwei völlig verrückte Killer auf Gus an, um an die Comics zu kommen. Die erledigen ihren Job aber nur halbwegs, Gus fällt ins Koma und wacht nicht mehr auf. In der Zwischenzeit kauft der Leiter Gus Frau die Comics ab und bringt sie als seine eigenen heraus – mit enormen Erfolg. Doch Gus erwacht aus dem Koma, und das Chaos beginnt…

Cool, cooler, Narco

Narco – Die wunderbare Welt des Gustave Klopp ist einer der coolsten Filme der letzten Jahre. Die Figuren, die die Drehbuchautoren Alain Attal und Philippe Lefebvre sich ausgedacht haben, sind mit so viel Liebe durchdacht und sympathisch, dass man jeden Einzelnen sofort gerne hat. Wahnsinn. Und die beiden Regisseure Tristan Aurouet und Gilles Lellouche wissen auch sehr gut alles in Szene zu setzten. Dazu kommt der geniale Soundtrack, der für noch mehr Stimmung sorgt.

“Warum ist Double Impact der beste Van Damme, den es gibt?” fragt Pseudo-Karate-Meister Larry Bar seine Freunde. “Weil es zwei gibt! Zwei Van Dammes!” Wer diese Figur nach diesem Satz noch immer nicht lieb gewonnen haben sollte, hat kein Herz für Looser. Und weiß coole Sätze nicht zu schätzen.

In der zweiten Hälfte ändert der Film allerdings das Tempo und schaltet zwei Gänge runter. Plötzlich konzentriert sich der Film sehr stark auf die Entwicklung der Story und der Figuren. Während die erste Hälfte ein einziger Lach- und Staunrausch ist, ist die zweite Hälfte wesentlich tiefgründiger und ernster. Das kommt zwar höchst unerwartet, aber funktioniert wunderbar. Auch das Ende ist einfach… schön.

Höhepunkt des Films: ein Cameo-Auftritt von Jean Claude Van Damme. Standing Ovations im Publikum. Oder sagen wir mal so: wenn Tarantino diesen Film sehen würde, wäre Jean Claude Van Damme der Nächste, den er mit einem Projekt auferstehen lassen würde (wie mit Travolta in Pulp Fiction). Da bin ich mir sicher.

Also, wir resümieren: eine Komödie mit tollen Ideen, spannenden Wendungen, tollen Schauspielern und wundervollen Kameraaufnahmen. Ein Film auf höchstem Niveau, den man unbedingt sehen sollte. Richtig viel Spaß macht er aber nur im Kino – die Bilder sind einfach klasse. Unbedingt sehen!

Jakob Montrasio

Zusammenfassung der Rezension
Datum der Rezension
Name des Filmes
Narco - Die wunderbare Welt des Gustave Klopp
Gerundete Bewertung
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