Roma (2018)

Drama | 135 min
Bewertung:
10/10
10

Filmkritik

Mit dem Drama Roma beweist Alfonso Cuarón einmal mehr, was für ein Ausnahmetalent er ist. Zuletzt eroberte er mit Gravity den Weltraum, davor war er mit Children of Men im Endzeitalter, und den besten Harry Potter Film hat er auch noch gemacht. Wahnsinn. Und jetzt zeigt er uns, wie er mit neun Jahren Mexiko City in den 70ern wahrgenommen hat, gefilmt im Stile eines Werkes von Fellini aus den 50ern. In wundervolle schwarz-weiß Bilder taucht man hier ein, als ob Fotos einer Leica M Monochrom zum Leben erwacht seien.

Es ist 1970, und die junge Cleo ist Angestellte bei einer wohlhabenden Familie in Mexiko-Stadt. Sie ist Mixtekin und geht voll und ganz in ihrer Rolle auf, die man heute Au-pair nennen würde: die Kinder lieben sie und sie liebt die Kinder. Fast schon Episodenhaft erzählt Cuarón immer wieder von ausschlaggebenden Momenten in ihrem Leben. Es wäre gemein, hier zu viel zu spoilern – sagen wir einfach: alles um sie herum wird auf mehrere Proben gestellt… Und dann kommt auch noch das Fronleichnam-Massaker. Ja, ich gebe es zu, ich musste das nach dem Film auch erstmal googlen. Cuarón hat dieses traumatische Massaker im Alter von 9 Jahren miterlebt, also zu alt, um es zu vergessen, und zu jung, um es wirklich zu verstehen. Mit diesem Film verarbeitet er das ganze offensichtlich.

Besonders die zweite Hälfte zieht die Schlinge der Emotionen zu, die in der ersten aufgebaut werden. In den Slums, oder spätestens im Krankenhaus fängt man unkontrolliert zu bibbern und heulen an. Da bricht einfach die Wucht der Einfachheit, mit der man sich so leicht identifizieren kann, über Einem herein. Cuaróns Roma ist auch ein wundervolles Dankeschön an all die Leute, die nicht im Rampenlicht stehen, sondern die sich darum kümmern, dass alles irgendwie läuft und funktioniert.

Die Bildgestaltung und Bildgewalt der 65 Millimeter Bilder ist unglaublich. Ruhige, stabile Einstellungen zeigen immer wieder das ganz normale Chaos der Zeit. Oft weit-winkelig, so dass unglaublich viele Informationen in einer Einstellung untergebracht werden. Und ein ganz langsamer Schnitt. Mehrmals war ich doch überrascht, da es sich hier ja um eine Netflix-Produktion handelt. Extremst mutiger Schritt von Netflix, ein solches Werk zu finanzieren – nicht, weil es schlecht ist, ganz im Gegenteil – aber weil ich vermute, dass 90% der, pardon, “Netflix-Generation” kaum 10 Minuten des Film durchstehen werden, schließlich explodiert ja nichts. Vielleicht konnte ich deswegen auch nicht den Film auf meiner Netflix-Startseite finden, sondern musste ihn explizit suchen? Eine Schande.

Nicht nur die Kamera ist, wie bei allen Cuarón-Filmen, schlicht meisterhaft, auch das Sounddesign muss erwähnt werden. Wie hier die Stadt durch den Ton zum Leben erweckt wird ist einfach nur verzaubernd. Da liegt Cleo in einer Szene mit einem Kind auf dem Dach und man hört so viele Dimensionen gleichzeitig, wunderschön. Der dramatische Brand im Wald, immer wieder der Regen… Selten hat man den Ton dermaßen als Kunstwerk wahrgenommen. Nicht störend, aber besser ergänzend als in kaum einem anderen Film. Ganz großes Lob!

Was soll man noch sagen? Nehmt euch die Zeit, seit geduldig, und dieses Meisterwerk wird euch belohnen. Ganz großes Kino, quasi kostenlos auf Netflix.

Jakob Montrasio

Zusammenfassung der Rezension
Datum der Rezension
Name des Filmes
Roma
Gerundete Bewertung
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