Liu Gang

Liu Gang (chinesisch 刘刚, Pinyin Liú Gāng; * 30. Januar 1961 in Liaoyuan, Volksrepublik China) ist ein chinesischer Wissenschaftler und Revolutionär, sowie Gründer des autonomen Studentenverbandes. Er war ein bekannter Studentenführer während der Demonstrationen auf dem Tiananmen-Platz 1989.[1] Liu machte den Abschluss als Magister der Physik an der Universität Peking und Informatik an der Universidad Nacional de Colombia. Nachdem er 1993 ins Exil in die USA gegangen war, studierte er Technologie und Physik bei Bell Laboratories in New Jersey. Dort wurde er bei Morgan Stanley als Wall Street IT-Analyst angestellt.[2]

Studentenaktivist

Während des Studiums an der Chinesischen Universität für Wissenschaft und Technik in Hefei lernte Liu Fang Lizhi, einen demokratischen Aktivisten, kennen.[3] An der Universität Peking organisierte Liu „Demokratie-Salons“. Später nahm dort auch Wang Dan eine Position ein.

Liu war 28 Jahre alt, als die Demonstrationen 1989 begannen. Er organisierte den Autonomen Studentenverband von Peking und trat der Organisationsabteilung der Bewegung bei. Daher wurde er an sechster Stelle von 21 Aktivisten, deren Verhaftung von der Regierung beauftragt worden war, gelistet. Daraufhin tauchte er als Flüchtling unter, wurde jedoch am 15. Juni 1989 verhaftet und wegen versuchter Unterminierung der Kommunistischen Partei Chinas angeklagt.[4] Er wurde zu sechs Jahren Haft im Qincheng-Gefängnis verurteilt.[5][6][7][8][9][10]

Nach seiner Freilassung 1996 setzte Liu mit seinen Menschenrechtsaktivitäten fort und organisierte eine Untergrund-Demokratiebewegung.[11][12] Nachdem er in die USA umzog, setzte Liu mit seinem Studium an der Kolumbien Universität in New York City fort.[13][14][15] Von dort aus unterstützte er weiterhin die chinesische Demokratiebewegung und leitete 2011 weitere demokratische Proteste.[16]

Wissenschaftliche Forschung

China

1982 erhielt Liu einen Bachelortitel in Moderner Mechanik auf der Universität für Wissenschaft und Technologie China. Er wurde bei AVIC International in Shenyang im Bereich Aerodynamik angestellt. Liu arbeitete in Partnerschaft mit Luo Yang und wurde zum Flugzeug-Designer befördert. Sein Forschungsbereich war die Theorie der Resistenz und er bearbeitete Probleme der doppelseitigen Eingänge und der Radar-Technologie.

1984 erhielt Liu einen Mastertitel in Optik an dem Institut für Physik an der Universität Peking, wo er als Assistent lehrte.[17] Liu arbeitete am China Soft Science Forschungsinstitut weiter, fungierte aber auch als Assistenzdirektor an der Universität für Wissenschaft und Technologie in China.

1988 wurde Liu assoziierter Assistenzforscher bei der Wear-Resistant Materials Development Company des Nationalen Ministeriums für Höhere Bildung & des Instituts für Technologie in Dalian. Anschließend wurde er zum Fachbereich Physik bei der Chinesischen Akademie der Wissenschaften versetzt.

USA

1996 erhielt Liu einen Mastertitel in Computerwissenschaften der Universität Kolumbien. Er wurde dazu eingeladen, vor der New York Academy of Sciences zu sprechen.[18] Liu wurde als Techniker für Mathematik von der Netzwerk- und Systemforschungsabteilung bei Bell Laboratories in Murray Hill, New Jersey, angestellt. Dort arbeitete er an Netzwerkdesign und -planung von optischer Telekommunikation, Routing-Algorithmen, Optimierungsverfahren und Wirtschaftsmodelle und -strategienanalyse.[19]

Lius Forschungsbereiche inkludierten SPIDER, ein Werkzeug zur schnellen Restauration auf allen optischen Netzwerken; VPNStar, ein System zur Bereitstellung von Multi-Service VPNs mit Servicequalitätsgarantien über Internet Protocol; Software-Design, ein Management System für Lambda Router auf allen optischen Netzwerken; Analyse von Internet-Preisverhalten.[20]

Während seiner Zeit bei Bell Laboratories führte Liu das A*Prune (1999, ISSN 0743-166X) mit K. G. Ramakrishnan ein, um eine neue Art von Algorithmen zu beschreiben. Dies gab der Forschung in der theoretischen Wissenschaft eine neue Richtung. Er stellte fest, dass A*Prune mit den gegenwärtig best bekanntesten Annäherungs-Algorithmen für die meisten auf Zufallsbasis generierten Graphen vergleichbar ist. Der Algorithmus konstruiert Möglichkeiten, die von einem Ausgangspunkt in Richtung eines gewünschten Ziels verlaufen. Bei jeder Wiederholung des Algorithmus werden alle Möglichkeiten ausgeschlossen, die nicht zielführend sind. So bleiben nur jene Alternativen übrig, die das Potenzial beinhalten, zu durchführbaren Lösungswegen umgewandelt zu werden. Und aus diesen werden dann die brauchbarsten Wege herausgezogen.[21]

Liu schlug ebenfalls eine spezielle Art von optischen Geräten vor, die sich SPIDER (2001, ISSN 1089-7089) nennen; optische Router, dichte Multiplexverfahren und Querverbindungen von beispiellosen Kapazitäten. Liu und seine Kollegen entwickeln Techniken für effizientes und zuverlässiges optisches Netzwerk-Design.[22]

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Tiananmen’s Most Wanted In: New York Times, 3. Juni 2014, abgerufen am 20. Mai 2017.
  2. From China's Prisons To Columbia's Computers In: Internet Archive, 12. Juni 2010, abgerufen am 20. Mai 2017.
  3. Guilt by Association: More Documents from the Chinese Trials In. Asia Watch, 25. Juli 1991, abgerufen am 20. Mai 2017
  4. Nicholas D. Kristof: China Arrests Another Student Leader In: New York Times, 21. Juni 1989, abgerufen am 20. Mai 2017.
  5. Democracy Leader on Trial in China In: The New York Times, 24. Januar 1991, abgerufen am 20. Mai 2017.
  6. Sheryl WuDunn In: New York Times, 24. Januar 1991, abgerufen am 20. Mai 2017.
  7. Nicholas D. Kristof: Imprisoned China Pro-Democrats Charge Torture In: New York Times, 1. September 1992, abgerufen am 20. Mai 2017.
  8. Nicholas D. Kristof: A Gentler China: A special report.; 4 Years After Tiananmen, The Hard Line Is Cracking In: New York Times, 1. Juni 1993, abgerufen am 20. Mai 2017.
  9. Patrick E. Tyler: Chinese Government Shows Video Of 4 Prisoners Mentioned by U.S. In: New York Times, 2. März 1994, abgerufen am 20. Mai 2017.
  10. Chinese Said to Detain Dissidents as Parley Nears In. New York Times, 1. August 1995, abgerufen am 20. Mai 2017.
  11. Patrick E. Tyler: Chinese Take Journalists on Guided Tour of Prison In: New York Times, 6. März 1994, abgerufen am 20. Mai 2017.
  12. World News Briefs; China Releases Dissident After 6 Years in Prison In: New York Times, 19. Juni 1995, abgerufen am 20. Mai 2017.
  13. Stevem Erlanger: A Top Dissident Flees China And Is Admitted to the U.S. In: New York Times, 4. Mai 1996, abgerufen am 20. Mai 2017.
  14. Richard Bernstein: Chinese Exiles Wonder How Wind Will Blow In: New York Times, 21. Februar 1997, abgerufen am 20. Mai 2017.
  15. Liu Gang In: Committee of Concerned Scientists, 3. Oktober 1997, abgerufen am 20. Mai 2017.
  16. Kathianne Bonielleo: Torment of Tiananmen In: New York Post, 7. August 2011, abgerufen am 20. Mai 2017.
  17. China’s 21 “Most Wanted” following Tiananmen Square Massacre In: China Daily Mail, 13. Juni 2013, abgerufen am 29. Mai 2017.
  18. Wang Dan press conference statement In: Human Rights in China, 23. April 1998, abgerufen am 1. Juni 2017.
  19. Gang Liu In: archive.is, 1. September 2000, abgerufen am 4. Juni 2017.
  20. Active Research Projects In: archive.is, 6. August 2014, abgerufen am 5. Juni 2017.
  21. A*Prune: An Algorithm for Finding K Shortest Paths Subject to Multiple Constraints In: Research Gate, 2. August 2001, abgerufen am 5. Juni 2017.
  22. SPIDER: A Simple and Flexible Tool for Design and Provisioning of Protected Lightpaths in Optical Networks In: Research Gate, März 2002, abgerufen am 5. Juni 2017.
Chinesische PersonennamenAnmerkung: Bei diesem Artikel wird der Familienname vor den Vornamen der Person gesetzt. Das ist die übliche Reihenfolge im Chinesischen. Liu ist hier somit der Familienname, Gang ist der Vorname.